Versammlung der Naturpark-Gemeinden

| Hans Babl | Mittelbayerische Zeitung, Gemeinde

Bürgermeister Markus Dollacker (Ensdorf), zugleich Vorsitzender des Naturpark Hirschwald e. V. begrüßte im Wittelsbacher Saal in Ensdorf alle Bürgermeister der Naturparkgemeinden und viele Markt- und Gemeinderäte zu einer Versammlung, in der neben u.a. das Projekt „Seniorenmosaik“ vorgestellt wurde.

Er erklärte, dass eine ähnliche Veranstaltung mit der Stadt Amberg und ihren Stadträten im kommenden Jahr stattfinden soll. „Die Anwesenheit aller Bürgermeister und Seniorenbeauftragten zeige, dass man im Naturpark Hirschwald e.V, vorankommt“, betonte er.

Diplom-Biologin Isabel Lautenschlager, die Naturpark-Geschäftsführerin, stellte kurz vor, dass dieser 280 Quadratkilometer umfasst und 2006 gegründet wurde, die Kommunen Amberg, Kümmersbruck, Ensdorf, Rieden, Schmidmühlen, Hohenburg, Kastl, Ursensollen sowie Ebermannsdorf (allerdings ohne seine Fläche) umfasst. „Vorsitzender sind Ensdorfs Bürgermeister Markus Dollacker, seine Stellvertreter Landrat Richard Reisinger und Oberbürgermeister Michael Cerny“, berichtete sie. Sie selbst ist Geschäftsführerin. Als Schwerpunkte der Naturparkarbeit nannte sie Umweltbildung, Erholungsfunktion, Naturschutz mit Arten- und Biovielfalt, Regionalentwicklung sowie Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. „Naturparke gibt es viele in Deutschland – 104 insgesamt. Dabei müssen mindestens 50 Prozent der Fläche Landschaftsschutzgebiet sein. Beim Naturpark Hirschwald stimmen allerdings die Gemeindegrenzen mit dem Naturpark nicht überein.“

Zur Umweltbildung führte sie Beteiligung an Ferienprogrammen, Umweltmobil, Führungsangebote, Life-Projekt Große Hufeisennase, Präsenz im Bildungsportal des Landkreises, Mitarbeit bei der Säule 6 „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ in der Bildungsregion Amberg-Sulzbacher Land an, Geplant seien „Naturerlebnis und Infozentrum“ sowie „Naturparkschule“. Thema Erholungsfunktion: Kunstwanderstation mit acht Stationen, Lauterachsteg Hohenburg mit Infotafeln, Führungs- und Veranstaltungsangebot, Besucherlenkung mit weiteren Infotafeln und –stationen. Arten- und Biovielfalt: LIFE-Projekt Große Hufeisennase, unter dem „Gemeinwohlprojekt“ werden von den Bayerischen Staatsforsten 400 Fledermausnistkosten im Hirschwald installiert, Artenschutzturm in Hohenkemnath, und das Pflegekonzept am ehemaligen Standortsübungsplatz Fuchsstein. Regionalentwicklung: Gewässerkonzept für Gewässer 3. Ordnung, Breitbandausbau, Landkreis-Demenzwochen 2014, LES-Prozess (= Lokale Entwicklungsstrategie) und LEADER, Bildungsregion, Ökomodellregion, die Stärkung der Zusammenarbeit mit der Europäischen Metropolregion Nürnberg und die Vernetzung der Seniorenbeauftragten  und –initiativen.  Im Bereich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit hob Isabel Lautenschlager: Die Erwähnung des Naturpark Hirschwald im Bildband über Naturparke des DuMont. Reiseverlags hervor,  Oberpfalzkalender 2015, den BR-Filmbeitrag „Zwischen Spessart und Karwendel sowie die Beteiligungen mit einem Stand bei „Dousamma“ in Ursensollen, dem ZEN-Tag der E-Mobilität in Sulzbach-Rosenberg und den 50plus Fit & Aktiv. Tag in Amberg. „Wichtig ist, dass der Naturpark Hirschwald hinausgeht und sich präsentiert“, betonte die Geschäftsführerin. Die Finanzierung von Projekten bezeichnete sie als „Balanceakt“. Vorsitzender Markus Dollacker lobte sie, dass sie sich um „gute Kontakte“ zu den 18 Naturparks in Bayern bemüht.

Beim „Seniorenmosaik“ handelt es sich zunächst um eine Initiative des Kümmersbrucker Bürgermeisters Roland Strehl, die nun interkommunal im südlichen Landkreis umgesetzt werden soll. Dieser stellte das Modell als „besseren Plan für den Naturpark Hirschwald“ vor. Ausgangspunkt sei die gesellschaftliche und demografische Entwicklung durch die geänderten Familienstrukturen, die aller Gemeinden betreffe. Lösungen sollten auch in ländlichen Gebieten getroffen werden. „Oft sind zwar Ehrenamtliche gut vertreten, aber in zukünftig brauchen wir auch einen professionellen Lösungsansatz, wofür aber die einzelnen Gemeinden zu klein sind“, erklärte er. „Darum müssen wir eine gemeinsame Strategie entwickeln und auch gemeinsam Geld in die Hand nehmen.“ Ziel sei eine „unabhängige, neutral Informations- und Beratungsstelle für Senioren, Demenzkranke und deren Angehörige. Dafür bot Strehl  auch gleich in seiner Gemeinde Büroräume für eine entsprechende Koordinationsstelle an. Zentrale Handlungsfelder sieht er in laiengerechter und verständlicher Information, unabhängiger und unverbindlicher Beratung, einem regelmäßigen Besuchsdienst, personeller Schulung, Aus- und Weiterbildung, Aufbau eines Netzwerkes ehrenamtlicher  und professioneller Angebote und die Begleitung beim Übergang „Krankenhaus – Zuhause“, wie es die AOVE seit Jahren gut praktiziert. Für diese sechs Problemfelder sieht er eine Koordinationsstelle „unter einer Telefonnummer“ vor. Netzwerkpartner sieht Strehl dabei von A wie „Ambulante Krankenpflege der Caritas“ bis V wie „VdK-Sozialverband Amberg.Sulzbach“ und viele andere.

Als Beispiel eines Angebotes nannte er ein „Betreuungspaket“ mit dem Ziel eigene Fähigkeiten zu entdecken und zu erhalten, die Aktivierung eines einem Netzwerks wer kann helfen, die Hilfe durch ehrenamtliche Alltagsbegleiter. Diese könnten wöchentlioche Besuche machen, mit den Betroffenen spazieren gehen,  und einkaufen, vorlesen oder spielen, sich „über Gott und die Welt unterhalten“, oder einfach nur zuhören. Allerdings müssten sie auch aus- und fortgebildet werden, eine Aufwandsentschädigung erhalten. Für „Manager des Seniorenmosaiks“ müssten Alltagsbegleiter z. B. über eine Ehrenamtsbörse generiert oder gesucht, angeleitet und geführt werden.

„Gemeinsam im südlichen Landkreis schaffen wir das“, ist Bürgermeister Roland Strehl sicher. „es kommt ganz stark auf die Bürgermeister und ihre Gemeinderäte an, um das Projekt in ihren Orten zu unterstützen und dafür Werbung machen.“

Die weiteren Schritte auf dem Weg zum „Seniorenmosiak im Naturpark Hirschwald“ sind die Einzelbeschlüsse in den Gemeinde- und Markträten, die Feststellung der benötigten Arbeitskapazitäten, Prüfung und Antragstellung staatlicher Förderprogramm, z. B. „Bürgerschaftlich engagierte Nachbarschaftshilfe“ des Sozialministeriums und die Restumlage auf die beteiligten Kommunen des Naturpark Hirschwald sowie dann die Ausschreibung einer Stelle für eine geeignete Person für die Koordinationsstelle.

„Nicht jede Gemeinde muss bei allen Projekten des Naturpark Hirschwald mitmachen“, schränkte dessen Vorsitzender Bürgermeister Markus Dollacker ein. Norbert Schmid, Gemeinderat und Seniorenbeauftragter der Gemeinde Ursensollen, argumentierte in der Diskussion, dass der Landkreis der eigenes Konzept für die Seniorenbetreuung auf die Beine bringen wolle und man dem nicht in die Wege kommen solle, Dollacker betonte, dass dies zusammengeführt werde und dass mit der Koordinierungsstelle keinerlei Konkurrenz zu Seniorenheimen oder Sozialstationen beabsichtigt sei sondern ihnen helfen solle. „Wir wollen Hand in Hand arbeiten“ Angesprochen wurde die Finanzierung nach dem Wegfall der staatlichen Förderung nach eineinhalb Jahren. Bürgermeister Roland Stehl meinte: „Wenn das ein Erfolgsprojekt wird, können wir weitermachen und werden die Kosten – umgelegt auf die Gemeinden sicher leicht tragen.“ Gefragt wurde auch nach den „konkreten Aufgaben“ der geplanten Koordinierungsstelle, Was Ausbildung und Fortbildung der Kräfte koste. Hier betonte Strehl, dass diese „auf ehrenamtlichem Niveau“ erfolgen würden. Bürgermeister Franz Mädler (Ursensollen) wusste au eigener Erfahrung: „Jede Gemeinde muss eine funktionierende Struktur aufbauen, Je näher Koordinator am Menschen ist, desto besser funktioniert es. Ihr kommt nicht darum herum, eigene Strukturen in den Gemeinden aufzubauen.“ Bürgermeister Stafan Braun aus Kastl, früherer Vorsitzender des Naturpark Hirschwald e.V., erklärte: „Wir haben die Strukturen vor Ort, die Vernetzung  und Koordination fehlt noch, Ohne Nachbarschaftshilfe und Ehrenamt geht nichts!“ Und Bürgermeister Strehl ergänzte: „Die Alltagserfahrung  zeigt doch, dass wir sehr, sehr viel Potential an Ehrenamtlichen und Interessierten haben.“

Ein weiterer Diskussionsteilnehmer meinte: „Erst die nachbarschaftliche Basis vor Ort schaffen, dann erst eine eventuell notwendige Koordinationsstelle schaffen!“ Und Kümmersbrucks 3. Bürgermeisterin Birgit Singer brachte es schließlich auf den Punkt: „Einfach erst mal probieren!“

Die überwältigende Mehrheit der „Kommunalpolitischen Präsenz des Unteren Vilstales“ beschloss aus 89 anwesenden Markt- und Gemeinderäten sowie Bürgermeistern sprach sich bei nur einer Gegenstimme dafür aus, das Projekt „Seniorenmosaik im Naturpark Hirschwald“ weiter zu verfolgen.

Über den Naturpark

Der Naturpark Hirschwald ist einer von 104 Naturparks in Deutschland und einer von 18 in Bayern. Er wurde 2006 gegründet und umfasst eine Fläche von rund 280 Quadratkilometer. Ihm gehören die die Kommunen Amberg, Kümmersbruck, Ensdorf, Rieden, Schmidmühlen, Hohenburg, Kastl, Ursensollen und Ebermannsdorf (allerdings ohne Fläche) an.

Vorsitzender ist Ensdorfs Bürgermeister Markus Dollacker. Seine Stellvertreter sind Landrat Richard Reisinger und Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny, Die Geschäftsführung hat Dipl.-Biologin Isabel Lautenschlager.