Jakobsmusical in der Pfarrkirche

| Hans Babl | Mittelbayerische Zeitung

Unter dem Titel „Der Weg nach Santiago“ wird am Sonntag, 17. Mai, um 19.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Jakobus zu einem „musikalischen Pilgerweg“, einem Musical von Siegfried Fietz eingeladen.

Manche werden sich vielleicht noch erinnern, dass das Musical „Der Weg nach Santiago“ schon einmal im Oktober vergangenen Jahres in der Frauenkirche in Amberg zum 20. Dienstjubiläum von Stadtpfarrer Monsignore Franz Meiler aufgeführt worden ist.

Die Chorgemeinschaft der Pfarrei St. Martin in Amberg wird in Ensdorf unter Chorleiter und Organist Bernhard Müllers die unvergleichliche Akustik der Ensdorfer Asamkirche nutzen, um das Musical zum Klingen zu bringen. Mit den neuen Rhythmen in der barocken Kirche durch die erfrischende Darbietung der Sängerinnen und Sänger und der Ensdorfer Musikgruppe „creazione unisono“ wird das Musical sicher zu einem geistlichen Einklang. Die tiefgreifenden Texte werden die Zuhörer mit auf den Weg des Fragens und Glaubens nehmen. Die szenischen Dialoge werden schauspielerisch dargeboten. Eindrucksvolle Aquarellbilder machen den musikalischen Pilgerweg zu einem farbigen Erlebnis.

Worum geht es in dem Stück? Erzählt wird die Geschichte von Jakob Mayer, einem Mann, der sein Glück an der Börse oder im Spielcasino sucht. Als seine Mutter im Sterben liegt, verspricht er ihr widerwillig, den Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Spanien zu gehen. Sein Gewissen treibt ihn dazu, das Versprechen zu erfüllen. Unterwegs gewinnt er wider Erwarten  tiefe existenzielle und spirituelle Erkenntnisse, indem er Menschen trifft und von ihnen lernt. Am Zielort angelangt, spürt Jakob, dass er sein Leben ändern will. Der Schlussgesang heißt „Überall ist Santiago“ und führt zurück an jedes eigenen Ort.

So viele Deutsche wie noch nie pilgern derzeit auf dem berühmten Weg, dem „Camino des Santiago“ zum Grab des heiligen Jakobus. Entspannung, Wanderspaß und Abenteuer spielen dabei eine Rolle, ebenso aber Sinn- und Spurensuche und die Sehnsucht nach Glaubenserfahrung. Bibelforscher und praktizierende Katholiken sind unterwegs, aber auch Personen, die der Kirche skeptisch gegenüberstehen. Ihnen allen gemeinsam ist: „Der Weg ist das Ziel.“

„Mein Leben ist wie ein Pilgerweg. Manchmal juckt es in den Füßen“,  sagt dazu Pater Georg Matt, Direktor des Klosters Ensdorf der Salesianer Don Boscos. Viermal schon von Bamberg aus war er auf dem berühmten Pilgerweg nach Santiago – allerdings mit dem Fahrrad, zuletzt 2005. Sein Wunsch: Einmal zu Fuß nach Santiago pilgern. „Für mich ist der Camino immer wieder ein bewusster und freudiger Aufbruch. Nicht nach Santiago, sondern zurück, wo eine neue Aufgabe auf mich wartet,“ so der 60-jährige Salesianerpater. „Der Jakobsweg beginnt immer da, wo der Mensch aufbricht. Daraus ergeben sich die verschiedenen Jakobswege, die Spuren mehrerer Menschen. Das Ziel ist der Weg, der Camino nach Santiago.“ Dann erzählt er von einem „symbolhaften Erlebnis“.

Auf einer seiner Fahrten nach Santiago lief seine Essigflasche im Rucksack eines Mitpilgers, dem er sie mitgegeben hatte, aus und durchdrang dessen gesamte Wäsche. Verärgert habe dieser gesagt: „Ich habe in meinem System alles gut verpackt. Jetzt habe ich ein anderes System hereingelassen – und jetzt habe ich den Salat.“ Auf dem Jakobsweg gibt es immer auch Reibungspunkte. „Doch der Camino de Santiago ganz besonders gibt Berührung mit dem System Gottes und öffnet dafür“, so der begeisterte Pilger Pater Matt.

„Das bewirkt, dass dieser Weg wie kein anderer Menschen in Berührung bringt mit Menschen, die mit uns den weg gehen und schon vor uns gegangen sind. Glaubensspuren eben.“ Und das schließlich wird auch im Musical „Der Weg nach Santiago“ deutlich. „Kein Weg ist so gespurt wie der nach Santiago, nicht der nach Rom oder Jerusalem. Geprägt von der Spurensuche. Geistlich gespurt durch Kirchen, die Landschaft, die Pilger und die Schöpfung insgesamt. Es geht nicht nur ums geografische Ziel Santiago de Compostela, sondern auch um das geistliche Ziel und einen neuen Aufbruch zu Wegen im Leben“, erkennt der Klosterdirektor.  

„Warum sollte die Aufführung in der Amberger Frauenkirche im Oktober vergangenen Jahres eine einmalige Sache bleiben?“ Das dachten sich die Verantwortlichen im Salesianerkloster in Ensdorf. Ensdorf als Jakobspilgerstätte und das Kloster als Herberge bieten sich doch quasi an, das Musical in der Pfarrkirche St. Jakobus noch einmal aufzuführen: am Sonntag, 17. Mai, um 19.30 Uhr.

Zugleich ist es eine gute Einstimmung auf das Pilgerjahr 2009. Viele Pilger gehen den vom Oberpfälzer Waldverein ausgewiesenen Weg von Tillyschanz, Eslarn, Schwandorf nach Ensdorf und weiter nach Hohenburg und nach Feucht. Auch das Haus der Begegnung hat diese Pilgerstrecke für Fußwallfahrer 2009 im Programm. Klosterdirektor Pater Georg Matt pilgert vom 2. bis 4. Juni von Ensdorf über Kastl und Sindlbach nach Feucht. Zur gleichen Zeit geht Jürgen Zach mit einer anderen Gruppe von Tillyschanz nach Ensdorf. Manche werden wohl auch weiterpilgern, vielleicht gar bis nach Santiago des Compostela in Spaniens Nordwesten zum Grab des hl. Apostels Jakobus.

Wenn die Tschechen „Tak ja jsem pryc“ („Ich bin dann mal weg“) sagen und sich wie Hape Kerkeling zum Grab des Heiligen Jakobus aufmachen, dann führt ihr Weg auch durch unseren Landkreis Amberg-Sulzbach. „Viele Pilger aus Deutschland, Polen und Tschechien machen bei uns Station“, erzählt Pater Georg Matt, Direktor des Ensdorfer Klosters. Weit über 100 sind es, die jedes Jahr an die Klosterpforte klopfen. In Ensdorf werden die Rucksackpilger verpflegt und können übernachten. Meist allerdings bleiben sie nur für eine Nacht. Die barocke Pfarr- und frühere Klosterkirche ist ja nicht von ungefähr dem Hl. Jakobus geweiht. „Ensdorf war schon im Mittelalter Anlaufpunkt für viele Pilger aus Osteuropa“, so Matt. Und so wollen er und seine Mitbrüder den „Ensdorfer Pilgerweg wiederbeleben“, eine Art Pilgerzentrum in Ostbayern schaffen.

Der Fußmarsch zum Grab des Heiligen Jakobus in Santiago de Compostela in Spanien gehört zu den ältesten und bedeutendsten Wallfahrten der Christenheit.