„Oskar und die Dame in Rosa“

| Hans Babl | Mittelbayerische Zeitung

Oskar ist zehn Jahre alt, an Leukämie erkrankt und hat nur noch 13 Tage zu leben. Das macht allen im Krankenhaus und vor allem seinen Eltern solche Angst, dass sie nicht mit ihm darüber reden können. Zu einem Theaterstück mit der Schauspielerin und Hospizhelferin Anita Keller, in dem es um das Sterben eines Kindes und seine Begleitung geht, hatte das Kloster Ensdorf in den Fürstensaal eingeladen.

In Briefen an Gott, an den er eigentlich nicht glaubt, schreibt sich Oskar seine Ängste, seine Nöte von der Seele: „Man tut immer so, als käme man ins Krankenhaus um gesund zu werden, dabei kommt man auch rein um zu sterben.“ Er berichtet von der alten Dame, im rosa Kittel der Ehrenamtlichen, „mit tausend Falten so alt, dass sie schon über dem Verfallsdatum ist.“ Er nennt sie „Oma Rosa“ und sie geht Lebenserfahrung und Mut so mit ihm um, dass er nichts von seiner Lebendigkeit, Fantasie und Liebesfähigkeit einbüßt, obwohl er täglich schwächer wird. „Oma Rosa“ erfindet ein Spiel für ihn, in welchem er in der verbleibenden Zeit alle Stadien eines langen Menschenlebens durchlebt, obwohl er sie nicht mehr erleben wird.

Der unsentimentalen Tapferkeit von Oskar, seinem coolen Witz und dem Einfallsreichtum seiner „Oma Rosa“ konnten sich die Zuschauer ebenso wenig entziehen, wie den zutiefst anrührenden Szenen. Eindringlich spielte Anita Keller, verkörperte alle Personen, die in dem Stück vorkommen: Den sterbenden Jungen Oskar, die Ehrenamtliche Oma Rosa, die ihn besucht und deren Markenzeichen der rosa Kittel ist, die anderen Kinder im Krankenhaus, Oskars Eltern, das Pflegepersonal. Sie hört Oskar zu, wird zur Vertrauten, zur Freundin. Sie schafft es auch, ihn mit seinen Eltern wieder zusammen zu führen, gibt ihm den Mut, seine Freundschaft zu einem kranken Mädchen auf der Kinderstation zu leben. Oskars Tod bedeutet am Ende nicht nur Verlust und Trauer. „Er hat mir so viel Liebe gegeben,” sagt Oma Rosa am Schluss, „dass sie die paar Jahre, die mir noch bleiben, erfüllen.”

„Wie kann man mit Mut dem Tod ins Auge blicken? Wie trauern über die Zeit, die der Tod raubt, und die Lebensmöglichkeiten, die er zunichte macht? Fragt Anita Keller und regt damit an, sich selber diese Fragen zu stellen – mit großer Ernsthaftigkeit und einem tiefgründigen Humor, der mit Tränen in den Augen lächeln kann.

Anita Keller, Jahrgang 1936, ist vierfache Mutter und fünffache Großmutter. Ihre Ausbildung zur Schauspielerin erhielt sie an der Hochschule für Musik und Theater Hannover, Erfahrungen auf der Bühne sammelte sie am Niedersächsischen Staatstheater und am Neuen Theater Hannover. Seit vielen Jahren begleitet sie Schwerstkranke und Sterbende als Hospizhelferin. Das Stück zu spielen ist ihr persönliches Bekenntnis zur Hospizidee.