Kinder zeigen Stärke

| Hans Babl | Mittelbayerische Zeitung

Traditionsgemäß wurden auch in Ensdorf zum Jahresanfang die Sternsinger ausgesandt, nachdem sie am 2. Januar von Pfarrer Pater Hermann Sturm gesegnet worden waren. Gesegnet wurde auch der Weihrauch sowie die Kreiden, mit denen die 16 Ministrantinnen und Ministranten in vier Gruppen bis zum Dreikönigsfest die berühmten Buchstaben C + M + B an die Haus- beziehungsweise Wohnungstüren schreiben, versehen mit der Jahreszahl 2011.

Irrtümlich werden die drei Buchstaben oft als Zeichen für Caspar, Melchior und Balthasar, die Namen der hl. Drei Könige, interpretiert. Dies ist aber falsch: Der Segensspruch heißt nämlich „Christum Mansionem Benedicat“, zu Deutsch: Christus segne diese Wohnung (dieses Haus).

Würdevoll schritten die Sternsinger noch bis zum Dreikönigstag durch die Straßen der Gemeinde, klopften an alle Haus- und Wohnungstüren, wünschten den Bewohnern für das neue Jahr Gottes Segen, verkündeten in Versen die Weihnachtsbotschaft: „Mit dem Stern der drei Weisen haben wir uns aufgemacht, um von Haus zu Haus zu reisen, Licht zu bringen in der Nacht“, trug der Sternträger vor. „Jesus ist bei uns auf Erden, er, der uns das Leben bringt, dass wir alle glücklich werden, unser Leben gut gelingt“, verkündete „König Caspar“. Und Melchior fuhr fort: „Freude will er denen schenken, die ihm wie ein Kind vertraun, lasst uns alle an ihn denken, hoffnungsvoll wir vorwärts schaun.“ Balthasar ergänzte: „Wir bitten euch, helft den Kindern in Not, so vielen von ihnen fehlt das tägliche Brot. Gott segne euch im neuen Jahr! Das wünschen euch die Sternsingerschar.“

So machten sie auf den Sinn der Sternsinger-Aktion aufmerksam, baten um Spenden für das Kindermissionswerk. Das Schöne daran: Kinder bitten um Spenden, die wieder Kindern zu Gute kommen, denen es nicht so gut geht.

Das Leitwort der bundesweit heuer 53. Sternsingeraktion hieß: „Kinder zeigen Stärke!“ Kambodscha war das Beispielland der Aktion. Damit Kinder dort und überall auf der Welt neue Wege finden, zogen die Sternsinger los. Mit dieser positiven Einstellung machten sie  deutlich, dass Kindern überall auf der Welt der Schutz der Schöpfung wichtig ist.

Die Aktion Dreikönigssingen ist die weltweit größte Solidaraktion, bei der sich Kinder für Kinder in Not engagieren. Sie wird getragen vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Rund 500000 Kinder aus über 12000 Pfarreien waren im letzten Jahr beim Sternsingen dabei. Ergebnis: Etwa 40 Millionen Euro sammelten die Sternsinger in ganz Deutschland für Not leidende Kinder auf der ganzen Welt. Mehr als 690 Millionen Euro wurden seit 1959 von den Sternsingern gesammelt. Rund 56300 Projekte und Programme für Not leidende Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien und Osteuropa konnten mit Hilfe der Sternsinger unterstützt werden.

Das Sternsingen gehört heute zum Brauchtum um das Fest der Heiligen Drei Könige (Epiphanie). Älteste Quellen für diesen Brauch gibt es aus dem frühen 7. Jahrhundert für Nürnberg. Älter als das Sternsingen ist der Brauch des Räucherns in den Häusern und Ställen in der Nacht vor Dreikönig, einer Rauhnacht. Außerdem wurden die drei Buchstaben C M B und drei Kreuze über die Türschwellen der Häuser gemacht, nach christlichem Verständnis die Anfangsbuchstaben des Segensspruches „Christus mansionem beneficat – Christus segne dieses Haus“.

Der Brauch des Sternsingens war in Deutschland weitgehend ausgestorben. Flüchtlinge aus Schlesien sollen ihn jedoch noch hochgehalten haben. Ende der fünfziger Jahre wurde er mit riesigem Erfolg vom Päpstlichen Missionswerk in Aachen wieder belebt und wird heute in fast allen katholischen Gemeinden Deutschlands meist durch die Ministranten gepflegt. Der Erlös der Sammlung ist jeweils für Kinder in aller Welt bestimmt.