Informationen zur „großen Politik“ aus „erster Hand“

| Hans Babl | Mittelbayerische Zeitung, Schule

Im Fach Geschichte – Sozialkunde – Erdkunde (GSE) geht es auch um das große politische Ganze: die Bundesrepublik Deutschland und mindestens auch die Europäische Union. Dementsprechend rege gestaltete sich die offene Informationsrunde mit Frau Marianne Schieder (SPD), seit 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages in Berlin und dort als „handfeste“ Vertreterin der Oberpfälzer Farben und Anliegen bekannt. In dieser sitzungsfreien Woche nahm sie sich am Montag einen halben Vormittag Zeit für die Fragen der Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Ensdorf und lieferte den 8. und 9. Klässlern Informationen zur „großen Politik“ aus „erster Hand“.

Nachdem sie zu Beginn die „üblichen“ Fragen nach dem Tages- bzw. Wochenablauf einer Abgeordneten in Berlin, den „Diäten“ und den Ausgaben routiniert und geduldig beantwortet hatte, kam die Sache so langsam in Fahrt, als z.B. Alexander wissen wollte:
„Sie san doch vo am Bauernhof; wej san´s nachad draf kumma, in´d Politik zu gej?“
Frau Schieder, unserer Mundart bekanntermaßen durchaus mächtig, gab entsprechend zurück: „Politik woar immer a Thema in da Familie, i woa in da Landjugend und nacha is des weidaganga. Und weil d’ SPD zearscht für´n Landtag und bal´ draf für´n Bundestag a Frauen braucht hot, bin i dabei. An Ausschlog hot am End´ as Interesse an Politik und d´Freid dro gem, dass ma wos beweng ko, in dera Demokratie!“

Wen wundert´s da, dass sich nach einem ihrer letzten Auftritte im Bundestag („Nein“ zum Betreuungsgeld“) die Bundestagsstenografen bei ihr meldeten und wissen wollten, wie sie denn „[der Krampf]… des zejgt eomm d´Schou as…“, zu Papier bringen sollten.

Aber es ging auch um durchaus ernsthafte Themen wie etwa ihre Meinung zur „Griechenlandrettung“. Sie machte deutlich, dass dies eine der schwersten Abstimmungen im Bundestag gewesen sein dürfte – neben denen zur Genehmigung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr – und keiner sagen kann, ob die Rettung gelingen wird. Nur: die Entscheidung war alternativlos, denn der Euro sei für Deutschland von extremer Bedeutung. „Deutschland erwirtschaftet von jedem Euro die Hälfte über den Export“, so Schieder, „und von daher ist der Euro- Raum allein schon die Basis für Milliardengewinne unserer Wirtschaftsunternehmen – allein durch den Wegfall von Währungsschwankungen früherer Tage. Das wird in der derzeitigen Diskussion heute oft nicht mehr so erkannt.“  Zudem hinge das Schicksal einiger weiterer südlicher EU- Staaten ebenfalls am Ausgang der Griechenlandkrise. Und: „Nur mit Sparzwang wird´s in Griechenland nichts werden, auch fördern ist unumgänglich!“

Was gerade auch für die jüngere Generation, also auch die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler beim Thema EU von Bedeutung ist sei die Tatsache, dass man in Europa seit mehreren Jahrzehnten in Frieden und Freiheit zusammenleben könne, ohne sich gegenseitig zu bekriegen und zu zerstören – nicht überall in der Welt sei dies selbstverständlich!

Zum Schluss wollten die Schülerinnen und Schüler wissen, was für Frau Schieder denn am Politikerdasein gut, was weniger gut sei:

„Schlecht oder zumindest sehr gewöhnungsbedürftig ist der ständige Termindruck; es gibt kaum einen Tag, an dem nicht mehrere Sachen eng hintereinander liegen. Außerdem muss man es schon vertragen können, dass man vielerlei Kritik ausgesetzt ist – egal, ob nun berechtigt oder besonders qualifiziert oder eben nicht.“ Als Beispiel zählte sie u.a. auf, dass bei den Politikerinnen manchmal die fachliche Leistung sogar am Kleidungsstil oder ihrem „Hochdeutsch“ fest gemacht werde !?  Gut an diesem Beruf sei, dass man Bescheid wisse, was läuft und man etwas bewegen könne in dieser „tollen Staatsform Demokratie“.

„Was stört Sie an Deutschland, Frau Schieder?“, lautete die letzte Frage an die Bundestagsabgeordnete. Wie aus der Pistole geschossen kam prompt die Antwort: „…dass so viele so viel („mejßig“) jammern“. Es gebe sicher die eine oder andere Ungerechtigkeit und gegen die müsse man auch angehen, so z.B. dass mehrere Millionen Menschen nicht mehr von ihrer Hände Arbeit leben können, aber: „Alles in allem geht es uns gut – etwas mehr Zufriedenheit wäre manchmal ratsam!“

Als dann Alexander auch seine allerletzte Frage los geworden war –„Host a wos richtig´s glearnt?“ – und Frau Schieder schmunzelnd geantwortet hatte: „Ja scho, Jura howe studiert, also kannt i als Rechtsanwalt oawan!“ … und damit ein freundliches „Öha“ geerntet hatte, war wieder einmal eine gute Unterrichtsstunde schneller vergangen als gedacht.