Unterhaltsam präventive Maßnahmen nahegebracht

| Hans Babl | Mittelbayerische Zeitung

Dass Polizisten Puppentheater spielen können bewies die Polizeipuppenbühne Weiden auf Einladung des Katholischen Frauenbundes im bis zum letzten Platz besetzten Pfarrsaal. Allerdings ohne Kasperl und Klamauk. Es ging zwar auch lustig zu, aber um ernste Themen. Die Puppe „Erna“ brachte den Senioren unterhaltsam präventive Maßnahmen nahe.

So viel Polizei in Ensdorf? fragten sich einige angesichts von fünf Uniformierten. „Ja, Ensdorf ist ein gefährliches Dorf“, kommentierte Polizeioberkommissar Georg Hüttner. Angegangen ist das Theater musikalisch mit Udo Jürgens „Mit 66 Jahren“. Die Puppe, die einsame Oma Erna, eine Seniorin wie sie „leibt und lebt“ erlebte in dem Spiel so einiges. Ihr Mann Herbert ist gestorben, die Enkel rufen nur alle paar Wochen an – „wenn’s die Rent’n gibt“. Da holt sie aus dem Briefkasten die „Einladung zur kostenlosen Kaffeefahrt ins Knoblauchsland“. Sie erhält den Anruf  von einer „Gewinnzentrale“ mit der Gratulation zum „1. Preis“, der unbedingt persönlich vorbeigebracht werden muss.

Nachdem Erna ihre Blumen gegossen und Schmetterlinge im Garten beobachtet hat, kommen schon die Ganoven. Sie bringen Erna einen Besteckkasten, 40-teilig, echt Silber für 1000 Euro. Gutgläubig lässt die Seniorin die Ganoven ins Haus, Bietet Kaffee an und zahlt gar noch 50 Euro Bearbeitungsgebühr. Derweil schlüpft der zweite Gauner ins Schlafzimmer und klaut ihr ihre Rente, die sie sie im untersten Schub aufbewahrt.

Dann geht’s mit ihrer Freundin Marie zur Kaffeefahrt. Polizeioberkommissar Max Rössler fungierte als Verkäufer und preist gekonnt, charmant aber auch aggressiv und vor allem so überzeugend seine „ultimative Rheuma-Wellness-Heizdecke“ an, dass Erna gleich drei kauft.

Die Polizeibeamten hatten für die Senioren einige vorbeugende Tipps parat

Z.B gegen die Tricks an der Haustür (Kann ich ein Glas Wasser haben? Ihr Telefon benutzen? Ich bin Polizist, Kriminalbeamter, Handwerker, Heizkostenableser, Berater der Rentenversicherung, Reisebekanntschaft, ehem. Arbeitskollege des z. B. verstorbenen Ehemannes. Andere geben sich als Studenten aus und wollen Zeitschriften verkaufen.)  Vorsicht, wenn Fremde läuten! „Lassen Sie niemals einen Fremden in Ihre Wohnung, denn Hilfsbereitschaft an der Haustüre zahlt sich nicht aus! Schauen Sie durch den Türspion  oder aus dem Fenster, öffnen Sie die Tür nur mit vorgelegter Türsperre.

Seien Sie vorsichtig bei Anrufern, deren Stimme Sie nicht kennen. Lassen Sie sich den vollständigen Namen, Adresse und Telefonnummer geben. Fordern Sie bei angeblichen Amtspersonen den Dienstausweis. Bieten Sie bei angeblicher Notlage an, selbst nach Hilfe zu telefonieren. Lassen Sie dabei die Türe versperrt! Lassen Sie nur Handwerker ein, die Sie selbst bestellt haben. Übergeben Sie niemals Geld an Fremde, auch wenn diese angeblich von einem Verwandten geschickt wurden. Rufen Sie ihre Kinder, Nachbarn, Verwandte oder den Notruf 110 an und fragen Sie um Rat. Wenden Sie sich an Ihre örtliche Polizeidienststelle.

Tipps für Kaffeefahrten: Fahren sie, wenn möglich in einer Gruppe und bleiben zusammen.Gehen sie nicht alleine mit dem Verkäufer in ein Zimmer zu einem „Beratungsgespräch“. Unterschrieben sie nichts, was sie nicht ganz genau verstanden haben. Beachten sie bei Verträgen auf Kaffeefahrten das Datum und die Unterschriften! Die Belehrung über ihr Widerrufsrecht muss im Vertrag gesondert unterschrieben werden! Fordern sie eine Vertragsdurchschrift  auf der Name und Adresse der Firma deutlich zu lesen sind. Sie können innerhalb 14 Tagen vom Vertrag zurücktreten.

„Wir wollen Ihnen die Kaffeefahrt nicht vermiesen, doch was Ihnen da verkauft wird, ist meist überteuert oder im Fachhandel mit fachkundiger sachlicher Beratung zum gleichen Preis erhältlich! Besser noch: Einladung wegschmeißen!“

„Bewahren sie nicht soviel Geld zuhause auf und schon gar nicht im Schlafzimmer! Wir wollen Ihnen keine Angst machen, sondern sensibilisieren! Seien Sie vorsichtig mit Ihrer Handtasche, nehmen Se auch nur soviel Geld mit, wie sie brauchen!“

„Wenn Sie jemand anruft und sagt, Sie haben gewonnen, legen Sie einfach auf!“

„Lassen Sie niemals einen Fremden in die Wohnung! Wenn Ihnen einer komisch vorkommt, merken Sie sich, wie der aussieht, wie er gekleidet ist, und rufen Sie Nachbarn, Verwandte oder die Polizei!“

Über die Polizeipuppenbühne

Im Dezember 1999 begannen drei Polizeibeamte der Direktion Weiden Verkehrserziehung auf spielerische und anschauliche Weise bei den Kleinen mittels eines Puppenstückes zu präsentieren. Mit Einrichtung der Puppenbühne betrat die Polizei in Weiden Neuland in der Präventivarbeit von Kindergärten und Grundschulen. Innerhalb von sieben Wochen wurde von drei Beamten – zum Teil in der Freizeit – eine Bühne aus Dachlatten „gezimmert“, ein Puppenstück zusammengestellt, mit Hilfe von Angehörigen und Bekannten Vorhänge genäht, Kulissen gemalt, das Stück eingeübt und mit dem Stück „der verzauberte Kaspar“ Premiere gefeiert.

Anfang 2001 schrieben die Kollegen ein neues Stück mit dem Titel „Mach, Macho“ zur Kriminalprävention für die 4. Klasse. Nachdem diese beiden Puppenspiele bei den Kindern so großen Anklang fanden, reifte Ende 2005 die Idee,  auch ein Puppenstück für Senioren zu schreiben. „Heutzutage kann man ja kaum noch auf die Straße gehen, ohne dass einem etwas passiert“, haben sich sicher schon viele Senioren gedacht. Berichte im Fernsehen, im Radio und in den Zeitungen scheinen diesen Eindruck auch zu bestätigen. Sein Leben ohne Ängste und in Sicherheit gestalten zu können, das ist gerade für die ältere Generation von großer Bedeutung“, so Polizeioberkommissar Georg Hüttner. Anfang 2006 hatte das Stück „Erna“ Premiere. Darin werden Themen wie Tricks vor der Haustür, Haustürgeschäfte, Straßen- und Handtaschenräuber, Kaffeefahrten, Enkeltrick und vieles aktuelles mehr angesprochen.
Veranstalter, welche sich für einen Auftritt interessieren können sich an POK Georg Hüttner, Tel. (09 61) 401-344 wenden. Infos und Termine unter www.polizeipuppenbühne.de.