„Grenzenlos“: Im Hirschwald gedreht – gefeiert auf der ganzen Welt

| Eva Gröninger | Amberger Zeitung

Filmemacher Josef Rödl kehrt nach 40 Jahren zurück an den Drehort seines Erfolgsfilms

Es war etwa 17 Uhr oder 18 Uhr als Josef Rödl Anfang der 80er Jahre in Hirschwald ankam. Genau erinnert sich der Filmemacher nicht mehr an die Uhrzeit. Was er aber nie vergessen hat, ist, dass Hirschwald wie ausgestorben war. Niemand war zu sehen. Auf eigene Faust sah sich der Wahl-Münchner in der Ortschaft um und stieß schließlich auf einen Mann - einen gewissen Herrn Reiser, der sich sofort sicher war: „Der Fremde, der spinnt.“

So hat es Josef Rödl bei einer Filmvorführung im Ensdorfer Wittelsbacher Saal erzählt. Rödl hatte Anfang der 80er Jahre den Film „Grenzenlos“ unter anderem in Hirschwald gedreht. Der Kunstfilm war mit großen Namen besetzt, wurde aufwändig produziert und feierte schließlich Erfolge auf der ganzen Welt. In Ensdorf wurde der Film nun gezeigt und Rödl war eigens aus München angereist, um dem Publikum im Anschluss Rede und Antwort zu stehen. Die Skepsis der Hirschwalder zu Beginn der Produktion sei durchaus berechtigt gewesen, gestand Rödl ein. Denn er, der zu dem Zeitpunkt ein junger Filmemacher mit großen Ideen war, wollte in Hirschwald so Einiges ändern, um die perfekte Kulisse für seinen Film zu haben - dort Etwas abreißen, da etwas Neues bauen. Letztendlich brauchte es diesen großen Aufwand aber doch nicht. Hirschwald entpuppte sich als Glücksgriff mit seiner Kirche in der Mitte, einem großen Dorfplatz und der Gastwirtschaft. Und auch die Bewohner des kleinen Ortes in der Gemeinde Ensdorf begeisterten sich mehr und mehr für das ambitionierte Projekt. Die einen spielte eine kleine Rolle, andere stellen ihre Flächen zur Verfügung. Rödl sagte, teilweise seien mehr Mitarbeiter vor Ort gewesen, als Hirschwald Einwohner hatte. Die Produktion des Films hat 1,4 Millionen Mark gekostet. Es sei bis dahin sein größtes Projekt gewesen. Für „Grenzenlos“ konnte er die damaligen Shooting-Stars der Theater- und Filmszene gewinnen: Therese Affolter und Siegfried Zimmerschied. Sein Mut und sein Engagement machten sich bezahlt. Selbst bei den Filmfestspielen in Cannes wurde „Grenzenlos“ gezeigt, die Kritiker waren meist voll des Lobes. Dennoch habe es ihn überrascht, dass der Film 38 Jahre nach der Erstausstrahlung auf so großes Interesse bei der Filmvorführung in Ensdorf stieß. Der Wittelsbacher Saal war gut besetzt. Viele der Anwesenden konnten sich noch an die Dreharbeiten erinnern und nutzen ihre Chance, Josef Rödl ihre Fragen zu stellen. Rödl selbst sagte zu Beginn des Films, dass sich die Zuschauer auf den Film einlassen müssen und stellte klar: „Sie sehen hier kein Fernsehen, sondern Kunstkino.“ Und tatsächlich: „Grenzenlos“ ist schwere Kost. Im Zentrum stehen die jungen Dorfbewohner Agnes und Adi. Beide kämpfen mit ihren Sehnsüchten, den Zwängen des Landlebens und der Anonymität der Stadt. „Grenzenlos“ sei kein Heimatfilm, stellt Rödl klar. Es sei viel mehr Poesie, eine Metapher, nicht an Menschen, Orte oder Berufe geknüpft, sondern ein Beispiel für die Grenzenlosigkeit von Traum und Sehnsucht. Viele Bilder des Films stehen für sich, Geheimnisse werden nicht aufgeklärt, Geschichten werden nicht zu Ende erzählt, um Platz für Mystik und Fantasie zu lassen.

Solche Filme heute zu machen, das sei kaum mehr möglich, sagte Rödl in Ensdorf. Die Zeit des Kunstkinos sei so gut wie vorbei. Auch er selbst habe die Tätigkeit gewechselt und arbeite nun vor allem fürs Fernsehen. So schreibt er unter anderem Drehbücher für den „Tatort“ oder für Samstagskrimis. Hier sei es natürlich nicht erlaubt, ein Geheimnis nicht aufzulösen, erzählt Rödl schmunzelnd und fügt hinzu: „Inzwischen bin ich Fachmann für Morde.“ Josef Rödl ist gebürtiger Oberpfälzer und wuchs in einem Dorf nahe Parsberg auf. Mit neun Jahren stand er kurz davor, nach Ensdorf zu ziehen, wie er bei der Filmvorführung verriet. Denn er sollte dort zur Schule gehen. Doch kurz vor dem Umzug entschied sich seine Familie für einen anderen Ort. Deshalb habe er sich auch sehr über die Einladung hierher gefreut. Es habe ihn ein bisschen in seine Kindheit zurückversetzt. Rödl trug sich am Ende der Veranstaltung in das Goldene Buch der Gemeinde ein. Veranstaltet wurde die Filmvorführung vom Heimat- und Kulturverein Ensdorf. Alle Einnahmen sollen der Sanierung des Kreuzes auf dem alten Friedhof zu Gute kommen.