Deutsch-böhmisches Grenzgebiet erkundet

  |  Hans Babl |   Ensdorf.de, Mittelbayerische Zeitung

Am Faschingsdienstag erkundeten die Wanderfreunde Ensdorf wieder einen Teil des deutsch-böhmischen Grenzgebietes. Die dreistündige Rundwanderung startete unter der Führung von Franz Kalz aus Stadlern, beim Forstamt in Bayerisch Schwarzach.

Zunächst führte der Weg über den Fußgänger-Grenzübergang im ehemaligen Böhmisch Schwarzach. An diesem Grenzübergang stehen mehrere Info-Tafeln über die Natur, über Wanderwege und über das traurige Schicksal der umliegenden, teilweise nicht mehr existierenden Ortschaften und ihrer Bewohner. In der Gemeinde Schwarzach lebten  im Jahr 1939  812 Einwohner. Erster Info-Stop war der Gedenkstein des ermordeten tschechischen Zollbeamten Josef Oczko, der am 28.9.1938 von einer Sudetendeutschen Freikorps-Einheit ermordet wurde.

Anschließend gings weiter über die Wüstung Bernstein. Dort befindet sich ein Zentrum zur Behandlung drogenabhängiger Jugendlicher, weiter nach Rybnik (deutsch Waier), einer  tschechischen Gemeinde mit 187 Einwohnern. 1930 hatte Waier 65 Häuser und 434 Bewohner, davon 425 Deutsche. Nach dem Münchner Abkommen kam Waier zum deutschen Landkreis Bischofteinitz, dem es bis 1945 angehörte. Nach  dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutsche Bevölkerung vertrieben und die Häuser wurden bis auf  wenige 1957 platt gemacht.

Krönender Abschluss der Wanderung am Faschingsdienstag war ein weiteres Mal der „Kehraus“ im historischen Grenzwirtshaus Gerstmeier in Friedrichshäng bei  zünftiger, handgemachter Musik. Fazit: die Rundwanderung hat nicht nur einen Einblick in eine intakte Naturlandschaft, sondern auch die Geschichte einer mit viel Leben erfüllter blühender Orte jenseits der Grenze vermittelt.

Bilder

Die Ensdorfer Wanderergruppe vor dem historischen Grenzwirtshaus „Gerstmeier“ in Friedrichshäng.