Christine Eixenberger - „Fingerspitzenlösung“

  |  Hans Babl |   Ensdorf.de, Mittelbayerische Zeitung

Ein kabarettistisches Feuerwerk im bis zum letzten Platz besetzten Wittelsbachersaal brannte Christine Eixenberger ab. Das Publikum war begeistert. Der Freundeskreis des Klosters Ensdorf hätte noch viel mehr Karten verkaufen können, aber der Saal fasst nicht mehr Besucher!

Christine Eixenberger moderiert seit 2014 die BR-Comedy-Talkshow „Habe die Ehre“ und hat sich längst einen Namen als „komödiantische Nahzweckwaffe“ gemacht. Zusammen mit ihrem schauspielerischen Talent hat dies die studierte Grundschullehrerin mit ihrem neuen Soloprogramm „Fingerspitzenlösung“ auch in Ensdorf bewiesen.

Sie hielt ihre pädagogische Spürnase in die aufgeschlagenen Knie der Gesellschaft. Eine Pädagogin in freier Wildbahn - da ist guter Rat teuer. Wie viel Einmischung ist gut und wo hat das Ganze seine Grenzen? Ab wann wird man zum „G’scheidhaferl, zur Besserwisserin? Ist es gscheiter, gscheit zu sein und dem Gegenüber lieber mal ein Blatt vor den Mund zu nehmen? Oder ist es nicht oft auch wichtig, über den Rand hinauszuschreiben? Intervenieren oder lieber meditieren? Fingerspitzengefühl oder lieber voll auf die Zwölf? Und muss man sich überhaupt mit vermeintlichen Optimierungen auseinandersetzen? Oder kann man sich nicht einfach mal sagen: „Von mir aus – macht’s doch, was ihr wollt’s! Mia is wurscht?“ Wie spannend diese Wellness-Weisheit sein kann, gab Christine Eixenberger im Ensdorfer Wittelsbachersaal in Text und Gesang wider: ironisch-kritisch, aber auch heiter. Und bayrisch mit kernig-deftigen Sprüchen.

Da wurde der „SUV-Wahn“ kritisiert. Fahrzeuge als Zwischending zu Panzern, mit denen Mütter ihre Kinder zur Schule bringen: „Eine Militärparade am Roten Platz in Moskau ist ein Dreck dagegen!“ Schöne Männer seien zwar schön, aber meist „brunsdumm“. „Menschen unserer Generation machen nicht mehr Urlaub, sondern gehen auf Reisen. Dazu sang Eixenberger: „Ich war noch nie am Roten Meer. Ich scheue nicht die Gefahr, ich fahr Taxi in Berlin. Ich war noch nie in Peru, ich fahr mit Schlittschuh bis zum Pol.“ Bei einer Bahnfahrt zum Flughafen könne man nachempfinden, warum wir Deutschen im Urlaub unbeliebt sind, wenn im Zugabteil von einem „Sangria-G’sangverein“ gegrölt werde: „Ihr könnt’ uns alle, alle, alle! Wir fahr’n nach Malle, Malle, Malle!“ Kritisch betrachtet wurde auch der Wellnesswahn mit Slowfood und Entspannungmethoden im Urwald, tiefenentspannte Entschleunigung, wobei doch langsam und schnell relativ sei. „Stress ist ungesund“, betonte Eixenberger. Was nütze übertriebener Aktiv-Urlaub, wenn da die Ehefrau ein E-Bike bekomme und der Ehemann „a Herzkasperl“. Die heutige Gesellschaft stehe durch Stress unter Dauerstrom. Kritisch betrachtete sie den „Handy-Quatsch“ und die „Smartphon-Totalüberwachung. Sie kritisierte auch die „Zweiklassenmedizin“.

Überzogene moderne pädagogische Maßnahmen und Übereifer der Eltern, die meinen, jedes Spielzeug müsse unbedingt pädagogisch wertvoll sein, bekamen ihr Fett weg. „Kinder wären ja so was tolles, wenn sie ohne Eltern geboren würden. Aber man kann sich seine Eltern ja nicht aussuchen.“ Sie sprach sich für Langeweile als Therapiekonzept aus. Angst sei mittlerweile eine Volkskrankheit. Z. B. die Angst, dass das Kind nicht das Gymnasium schafft, dass man ein Leben lang Ü-30 ist, alles so akkurat und perfekt sein müsse. Dass Harmonie, die Ordnung der Welt ruiniert könnte. „Wenn alles militärisch, exakt und steril wie ein Labor sein muss, fehlt die Balance“, stellte Eixenberger fest. Und kritisierte auch Schönheits- und Gesundheitswahn.

Auf ihre berufliche Karriere als Grundschullehrerin zurückblickend meinte die Kabarettistin:

„Grundschullehrer wünschen sich mittlerweile eine Männerquote!“ Sie forderte daher: „Ein bisschen mehr Männlichkeit für männliche Schüler. Männer sind wichtig für unsere Gesellschaft!“

Sehr wandlungsfähig und temperamentvoll beleuchtete die Schlierseeerin Christine Eixenberger in zwei Mal 50 Minuten Probleme unserer Gesellschaft gemäß dem Motto ihres Soloprogramms mit viel „Fingerspitzenlösung“. Dem Publikum gefiel’s! Dass sie zu mehreren Zugaben auf die Bühne musste, war bei dem tollen Programm zu erwarten. Fazit: Ein zweistündiger Kabarettabend der Extraklasse mit Humor, aber auch Kritik, und den Leuten auf’s Maul geschaut. Damit brachte Christine Eixenberger das Publikum zum Lachen, aber auch zum Nachdenken.

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