Kräuterbuschenbinden zu „Mariä Himmelfahrt“

  |  Hans Babl |   Ensdorf.de, Mittelbayerische Zeitung

Wie vielerorts hält auch der Katholische Frauenbund Ensdorf alte Bräuche aufrecht. So seit 29 Jahren auch den des Kräuterbuschenbindens zu „Mariä Himmelfahrt“, einem Höhepunkt des katholischen Kirchenjahres. Auch heuer waren wieder elf Frauen am Dienstag zum gemeinsamen Binden in den Klostergarten gekommen.

Zuvor aber schon sammelten sie morgens an Feld- und Waldrändern, Wiesen und Gärten duftende  und heilkräftige Blumen und Kräuter. Auch Getreideähren wurden mitgenommen. Trotz der anhaltenden Trockenheit war es für die Frauen kein Problem genügend Kräuter und Blumen zu sammeln, um aus ihnen 150 Kräuterbuschen binden zu können.

Die Frauenbunddamen frischten die Kenntnisse über den alten Brauch auf und berichteten darüber. Nicht ganz klar ist, was in die Kräuterbuschen zu Maria Himmelfahrt, dem „Großen Frauentag“ und ältestem und größten Marienfest der Katholischen Kirche, eigentlich gehört. Dürfen es nur Kräuter sein und welche? Gehören auch Blumen dazu und welche? Blumen und Kräuter sind nämlich zwei Paar Stiefel! Die Kräuter sind fürs Heilen, die Blumen für den Schmuck und die Schönheit. Beides kann zusammen zu einem bunten Buschen gebunden werden, muss aber nicht!  

Das Segensgebet der Kräuterweihe umfasst jedenfalls beides: Kräuter und Blumen. Wer den gesegneten Kräuterbuschen für Tee verwenden will, darf natürlich nur Kräuter zusammenbinden. Die Blumen sind Zeichen der Verehrung der Mutter Gottes. Sie geben auch den Buschen Farbe mit ihren Blüten, denn Mitte August sind die meisten Kräuter schon ziemlich verblüht und es herrscht das grüne oder braune Kraut vor. Es gibt keine Vorschriften über die Anzahl der Kräuter, ob es sieben, zwölf oder gar 36 sein sollen, ob unbedingt die Königskerze oder das Tausendgüldenkraut dabei sein muss. Egal welche Anzahl: Die Kräuter erinnern an den Segen Gottes, der von Gottes Schöpfung auf uns Menschen ausgeht. Die Kräuterweihe erinnert an die Weihe der Palmzweige am Palmsonntag.

„Früher brachten nur Landwirte, die Vieh hatten, die Kräuterbuschen in die Kirche mit zur Weihe“, erinnert sich Katharina Hafenbradl noch. Vor 29 Jahren nahmen dann der Mütterverein und später der Katholische Frauenbund die Tradition wieder auf. Seither ist das Interesse daran wieder gestiegen und auch junge Leute kauften die 150 Kräuterbuschen, welche Frauenbunddamen gebunden hatten vor den Gottesdiensten am Fest Mariä Himmelfahrt, um sie in der Kirche weihen zu lassen. Wie immer verwendet der Katholische Frauenbund Ensdorf die Einnahmen für einen „guten Zweck“.

150 Kräuterbuschen aus mindestens sieben verschiedenen wohlriechenden und heilsamen Kräutern sowie Blumen und Getreideähren wurden von den Frauenbunddamen „aus der Natur in Wald und Flur“ gebunden und am  Fest Mariä-Himmelfahrts-Tag (15.August) vor den Gottesdiensten für einen guten Zweck verkauft und von den Geistlichen gesegnet.

Früher wurde der geweihte Buschen zu Hause kopfüber auf dem Dachboden zum Trocknen aufgehängt. Die getrockneten Kräuterbüschel dienten zu allerhand Abwehr: Bei Gewitter und Hagel eine Handvoll ins Herdfeuer geworfen, sollten sie vor Blitzschlag und Hagelschaden schützen. Krankes Vieh bekam geweihte Kräuter unter das Futter gemischt. Auch beim Ausräuchern des Hauses taten sie ihre Dienste. Sie halfen gegen Unwetter und Krankheit, und ganz früher gegen Hexen, Druden und sonstige Geister.

Ursprung der Kräuterweihe an Mariä Himmelfahrt soll eine biblische Legende sein: Als die Apostel und Jünger am dritten Tag nach der Bestattung Marias die Tote noch einmal sehen wollten, war das Grab leer. Stattdessen fanden sie blühende und duftende Blumen und Kräuter vor.

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