Über 60 Jahre als Mesner im Dienst

| Hans Babl | Mittelbayerische Zeitung

An Silvester läutete Mesner Georg Hafenbradl zum letzten Mal die Glocken, schloss zum letzten Mal die große Tür der Pfarrkirche St. Jakobus. Und das nach über 60 Jahren Dienst. Nun ist er im verdienten Ruhestand.

Ganz offiziell übernahm er das Mesneramt am 26.12.1957. Zuvor hatte sein Vater Josef seit 1919 das Amt inne. Gerne hätte der „Mesner-Schosch“ 100 Jahre Hafenbradl-Mesner vollgemacht. Gesundheitlich war das nicht mehr ganz möglich. „99 Jahr san doch a scho wos“, sagt er dazu lapidar. Bei Kaffee und Kuchen wurde er nun von Pfarrer Pater Hermann Sturm, Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat mit seinen treuen Helfern Johann Hofmann und Jakob Bodensteiner für seinen gewissenhaften Dienst gedankt. Im Namen von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer überreichte Pfarrer Sturm Georg Hafenbradl die Dank- und Ehrenurkunde der Diözese für seinen „leidenschaftlichen Einsatz  und die treuen Dienste“ und überreichte ihm die Mesner-Ehrennadel in Gold. 

Seinem Vater musste Georg Hafenbradl schon als Bub helfen: Gebetläuten früh um sechs, mittags, abends. Mit der Hand! „1946 läutete ich zum ersten Mal die Sterbeglocke oben auf dem Turm alleine. Zehn Minuten lang! Da hab ich gezittert“, weiß er noch genau. Erst 1957 erhielt Ensdorf ein elektrisches Glockengeläut. Schon früh vertrat er seinen erkrankten Vater Josef im Mesneramt. Nach dessen Tod übernahm er 22jährig unter Pfarrer Korbinian Zeitler das Amt.1964 dann kamen

„Klosterpfarrer“, Patres des Salesianerklosters als Pfarrer; bis 1988 Pfarrer Josef Rieshofer, dann Pfarrer Sebastian Raß und seit Advent 1998 Pfarrer Hermann Sturm. „Die hab ich alle schon überlebt im Amt und war immer no Mesner!“ erklärt Hafenbradl schmunzelnd. „Und Kopratern erst! Mindestens 20! Da warn gscheide drunter, aber schlimme scho a! Die ham mir manchmal ganz schön zuag’setzt! Aber i habs alle überlebt!“

Früher musste man als Mesner viel mehr machen als heute: Z. B. täglich die Treppen auf den Turm steigen und die Uhr aufziehen. „Es kam schon mal vor, dass ich das vergessen hab, da blieb halt dann die Uhr stehen“, meint der Schorsch lakonisch. Täglich musste zu zwei Frühmessen um halb sieben und viertel acht geläutet, Messgewänder bereitgelegt, Kerzen angezündet, Priester eingekleidet werden. „In meinen jungen Jahren war das manchmal ganz schön hart, frühmorgens aufzustehen, wenn man abends lange fort war!“ spürt der Ex-Mesner quasi noch heute manchen morgendlichen Kopfschmerz nach langer Nacht.

Früher musste der Mesner überall dabei sein: Bei Verseh-Gängen und Krankenkommunionen zu Fuß, auch bei tiefem Schnee bis nach Bernstein oder zum „Talbauern“. Voran der Mesner mit der Laterne, der Pfarrer hinterher. „Manchmal hab ich auch a Radl mitg’schobn und zurück sind wir dann zu zweit auf dem Drahtesel gefahren“, weiß der Hafenbradl noch. „Später sind wir mal mit dem Auto steckengeblieben.“ Oder: „Zu Fuß mit dem Pfarrer bis nach Götzenöd zur Leich‘, aussegnen, dann mit der Leich‘ und dem Leichenzug z’ruck nach Ensdorf zur Beerdigung!“ Besondere Erinnerungen hat Hafenbradl noch an Pfarrer Korbinian Zeitler: „Der ging nie allein, da musst ich als Mesner immer dabei sein. Auch bei Taufen und Kirchweihen. Des war vielleicht zeitaufwendig!“

Das täglich Auf- und Zusperren des Gotteshauses gehört noch heute zu den Obliegenheiten eines Mesners. Viel Arbeit bereitet auch der Kirchenschmuck mit Blumen, an Fronleichnam mit Birken. „Des hab ich lange Zeit alloa. Dann hob i immer Helfer g’habt. Auch das Einschalten des Geläutes ist Aufgabe des Mes-ners. „Läuten, da kannst niemand anderen hinlassen“, erklärt Hafenbradl. „Wenn ich für die Messen, Trauungen, Kindstaufen und Beerdigungen niat alles herricht’hab , ging nix!“ erzählt er von seinen vielen Aufgaben.

„Wenn früher Exerzitien waren, da waren mindestens Stuckera zwanz’g Pfarrer oder Pater da. Des hat ma Spaß g’macht. Da wurde an den Seitenaltären zelebriert, früher beim Requiem Beimessen gehalten bis das Seelenamt vorbei war.“ Wie viele Gottesdienste, Taufen, Trauungen, Beerdigungen er schon in den 60 Jahren Mesner betreut hat, weiß der Schorsch nicht. „Ich habs niat zählt, über 30000 sans leicht.“

Früher hat er auch viel mit den Ministranten erlebt. Genauer will er sich aber darüber nicht auslassen, schmunzelt nur selig vor sich hin. Schließlich ist ihm doch zu entlocken, dass er manchen von den „Lausbuben Gottes“ beim heimlichen Messweintrinken erwischt hat oder dass einer seinen Chorrock bloß in die Ecke geworfen hat, statt ordentlich aufzuhängen. Besonders schöne Erinnerungen hat Georg Hafenbradl an die „Turmbauer“, die 1975 Kuppel und Laterne mit Kupferblech versahen. Wochenlang hat er mit ihnen auf dem Turm gearbeitet. Freundschaften sind entstanden. Schließlich schliefen die Turmbauer nicht mehr im Pfarrsaal sondern beim „Schorsch“. Dramatisch wurde es als ein Bundeswehrhubschrauber das neue Kreuz auf die Spitze des Turmes setzte. „Mei, des war a Gaudi, da war was los!“ so des Mesners schlichter Kommentar.

„Des warn schöne, aber a nasche Zeiten“, meint Hafenbradl rückblickend auf 60 Jahre Mesnertätigkeit – nicht zuletzt die vier Jahre der Kirxcheninnenrenovierung. „Manchmal wars ganz viel Arbeit. Die vielen Feiertag ham mir nix ausg’macht, wenn’s auch manchmal stressig war!“ Seinen vielen Helfern dankt er: „Wenn ich Hilfe braucht hab und hab oan an-gredt, hob i Hilfe kriagt.“ Und er ergänzt: „Weil ichs Kloster, d’ Kirch und d’Pfarrern mag, mir wos an dene liegt, hob i des Amt so lang g’macht. Jetzt is halt Schluss.“