Sternsingeraktion 2018

  |  Hans Babl |   Ensdorf.de, Mittelbayerische Zeitung

Traditionsgemäß wurden auch in Ensdorf zum Jahresanfang die Sternsinger ausgesandt, nachdem sie von Pfarrer Pater Hermann Sturm gesegnet worden waren. Gesegnet wurden auch der Weihrauch sowie die Kreiden, mit denen die 16 Ministrantinnen und Ministranten im Alter von acht bis 16 Jahren in vier Gruppen bis zum Dreikönigsfest die berühmten Buchstaben C + M + B an die Haus- beziehungsweise Wohnungstüren schreiben, versehen mit der Jahreszahl 2018. Am Samstag klopfen sie noch in Wolfsbach und Hofstetten, und am Dreikönigstag in Thanheim an die Türen.

Irrtümlich werden die drei Buchstaben oft als Zeichen für Caspar, Melchior und Balthasar, die Namen der hl. Drei Könige, interpretiert. Dies ist aber falsch: Der Segensspruch heißt nämlich „Christum Mansionem Benedicat“, zu Deutsch: Christus segne diese Wohnung (dieses Haus).

Würdevoll schreiten die Sternsinger in ihren Gewändern und orientalischen Kopfbedeckungen durch die Straßen der Pfarrei, klopfen an alle Haus- und Wohnungstüren – selbst im Seniorenheim, der Caritas-Sozialstation und im Kloster - wünschen den Bewohnern für das neue Jahr Gottes Segen, verkünden in Versen die Weihnachtsbotschaft: „Grüß Gott! Hallo, ihr lieben Leute! Die Sternsinger sind bei euch heute. Als Könige aus dem Morgenland sind wir euch allen wohlbekannt und werden Caspar, Melchior und Balthasar genannt. Wir gehen jetzt von Haus zu Haus und rufen die frohe Botschaft aus“, erklärt der Sternträger. „Ein Kind geboren in dunkler Nacht, hat uns Menschen Licht gebracht. Und die in seinem Lichte steh’n, können Gottes Wege seh’n“, ergänzt Caspar. Und Melchior: „Er kommt nicht mit Gewalt und Macht auf Liebe nur ist er bedacht! Er macht sich niedrig für die Kleinen, er tröstet, die aus Kummer weinen.“ Balthasar: „Eure Gabe hilft verändern der Menschen Los in vielen Ländern. Wie kostbar ist ein Mensch, der liebt, gesegnet die Hand, die gibt.“ Alle sprechen abschließend den Segen Gottes und wünschten: „Jesus Christus begleite sie und alle, die hier wohnen, mit seinem Segen durch das Jahr 2018.“

So machen sie auf den Sinn der Sternsinger-Aktion aufmerksam, bitten um Spenden für das Kindermissionswerk. Das Schöne daran: Kinder bitten um Spenden, die wieder Kindern in aller Welt zu Gute kommen, denen es nicht so gut geht. 

Balthasar Johannes Schimmelpfennig ist 13 Jahre alt und seit sechs Jahren jedes Jahr bei den Sternsingern dabei. Der MZ erklärte er: „Das macht Spaß und man kann damit armen Kindern helfen.“ Jakob Breitkopf (11 Jahre) ist als Sternträger zum 3. Mal dabei und findet es gut, anderen damit helfen zu können. „Viele Leute sind total nett, nehmen uns gut auf. Andere machen erst gar nicht auf.“ Der zehnjährige Philipp Sperl ist als Kaspar zum zweiten Mal mit dabei. Die 14-jährige Sara Najmanova macht zum ersten Mal als Melchior bei der Sternsingeraktion in Endorf mit. „Als Ministrantin ist es doch eine Ehrensache, da mitzumachen!“ erklärt sie lapidar.

Das Leitwort der bundesweit 59. Sternsingeraktion heißt heuer: „Gemeinsam gegen Kinderarmut - in Indien und weltweit!“

Die Aktion Dreikönigssingen ist die weltweit größte Solidaraktion, bei der sich Kinder für Kinder in Not engagieren. Sie wird getragen vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Rund 50000 Kinder aus über 12000 Pfarreien waren im letzten Jahr beim Sternsingen dabei. Weit mehr als 800 Millionen Euro wurden seit 1959 von den Sternsingern in Deutschland gesammelt. Damit wurden Projekte und Programme für Not leidende Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien und Osteuropa mit Hilfe der Sternsinger unterstützt.

Das Sternsingen gehört heute zum Brauchtum um das Fest der Heiligen Drei Könige (Epiphanie). Älteste Quellen für diesen Brauch gibt es aus dem frühen 7. Jahrhundert für Nürnberg. Älter als das Sternsingen ist der Brauch des Räucherns in den Häusern und Ställen in der Nacht vor Dreikönig, einer Rauhnacht. Außerdem wurden die drei Buchstaben C M B und drei Kreuze über die Türschwellen der Häuser gemacht, nach christlichem Verständnis die Anfangsbuchstaben des Segensspruches „Christus mansionem beneficat – Christus segne dieses Haus“.

Der Brauch des Sternsingens war in Deutschland weitgehend ausgestorben. Flüchtlinge aus Schlesien sollen ihn jedoch noch hochgehalten haben. Ende der fünfziger Jahre wurde er mit riesigem Erfolg vom Päpstlichen Missionswerk in Aachen wieder belebt und wird heute in fast allen katholischen Gemeinden Deutschlands meist durch die Ministranten gepflegt. Der Erlös der Sammlung ist jeweils für Kinder in aller Welt bestimmt.

Bilder

Viele Sternsinger sind in diesen Tagen wieder in der Pfarrei Ensdorf unterwegs.
Sie sind auf dem Schulberg unterwegs: V. li. Melchior Sara Najmanova, Balthasar Johannes Schimmelpfennig, Kaspar Philipp Sperl und Sternträger Jakob Breitkopf.
Balthasar Johannes Schimmelpfennig schreibt die sinnträchtigen Zahlen und Buchstaben 20 * C + M + B *18 an die Türen.
V.li. Kaspar Philipp Sperl, Sternträger Jakob Breitkopf, Balthasar Johannes Schimmelpfennig und Melchior Sara Najmanova.