Kirchweih in Hirschwald 2015

| Hans Babl | Mittelbayerische Zeitung

Die von Mesnerin Philomena Hollweck wie jedes Jahr prächtig geschmückte, dem hl. Johannes dem Täufer geweihte ehemals kurfürstliche Jagdkapelle, konnte die vielen Gläubigen zum Kirchweihpatrozinium nicht fassen. Viele mussten dem von Pfarrer Pater Hermann Sturm zelebrierten und von der Ensdorfer Volksmusik unter Leitung von Georg Bayerl musikalisch umrahmten Gottesdienst im Freien folgen.

Wer einmal vor der Geburt eines Kindes den Prozess der Namenssuche mitgemacht habe, der wisse, wie viel Phantasie und Liebe dabei aufgewendet werde, welche Überlegungen eine Rolle spielen. Verwandtschaftsnamen, klingende Modenamen oder hl. Namenspatrone, stellte Sturm fest. „Doch selber hat man letztlich auf die Wahl seines Vornamens genauso wenig Einfluss wie auf seine Geburt“, stellte Geistliche in seiner Predigt fest. Beides sei zwar Entscheidung anderer, doch der Name solle nicht nur Kennzeichnung sein, sondern unserem Leben eine Bedeutung, gar ein Leitbild sein. Manchmal sei der Name zugleich Programm. So sei es auch beim hl. Johannes dem Täufer gewesen. Man habe sich für Johannes entschieden, wie der Engel gesagt habe, worüber Verwandte und Nachbarn verwundert gewesen seien. Johannes heißt übersetzt: „Gott ist gnädig“. Und alle haben sich Gedanken darüber gemacht, was aus diesem Kind wohl werde. „Nomen est omen – Name ist Zeichen, ist Programm, Name verleiht Identität: Ich bin unverwechselbar ‚Ich’“, betonte Pfarrer Sturm.

So sei der spätere Heilige zum Vorläufer, zum Wegbereiter für den ersehnten Messias geworden, zum großen Propheten. Jesus selbst habe ihn „den Größten  unter den Propheten“ genannt. Als erwachsener Mann habe sich Johannes in der Wüste auf seine Sendung vorbereitet, dann getauft zur Bußtaufe. Den Leuten gegenüber habe er unmissverständlich bekannt: „Nicht ich bin der Messias, kehrt um, ich bereit nur den Weg!“ Und: „Ich muss abnehmen – er muss zunehmen.“ Er verkündete nicht sich selbst, sondern den, der da kommen soll, der sich dann von ihm im Jordan hat taufen lassen, dessen Jünger sich dann zu Jesus gesellten, erinnerte Pfarrer Sturm.

In den Fürbitten wurde darum gebeten, dass Gott die Kirche fest zur Botschaft Jesu steht und er ihr Bischöfe und Priester schenke, die klar und glaubwürdig seine Botschaft verkünden; er uns hilft, Furcht und Feigheit zu überwinden, um Gott in unserem Leben vor den Mitmenschen bezeugen; dass wir ehrlich zu uns selber stehen und immer wieder Umkehr und Neubesinnung wagen; dass wir durch unser Zeugnis für andere Menschen Wegbereiter zu Christus und seiner Kirche sind. „Schenke uns hier und allen auf die Fürsprache des hl. Johannes des Täufers, dass wir zu unserer Taufe und zu unserem Christsein stehen und stets seine Hilfe erfahren. Schenke all unseren Verstorbenen, besonders aller von Hirschwald und Bernstein dein ewiges Leben.“

Anschließend bewirtete die DJK bei der weltlichen Kirwa die Gäste aus Nah und Fern mit kühlen Getränken und würzigen Rostbratwürsteln. Wer wollte, konnte sich auch die frischen Kirwa-Kücheln von Philomena Hollweck schmecken lassen. Lange noch saßen Hirschwalder und ehemalige Hirschwalder und ihre Gäste trotz drohender Regenwolken zu einem gemütlichen Plausch beisammen.

Dazu spielte das Trio „Blecherne Sait’n“ aus Schnaittenbach zünftig auf. Sie waren von der „Torbogensaniererfamilie“ Schmid-Rieger engagiert worden. Diese wurden von „Wandergruppe Hirschwald“ und Hans Prem mit einem in Dänemark handgefertigten Baustein samt Geldeinlage überrascht worden, der „gut sichtbar in das Gebäude eingemauert werden soll“. Die Wandergruppe sagten damit dank für Start und Ziel und Führung durch die Baustelle. Sie hatten am Pfingstmontag eine Wandertour durch den Hirschwald über Bernstein, das Taubenbachtal, Spieshof und zur Ruine Roßstein unternommen.