Tu dir was Gutes – lass los!

  |  Hans Babl |   Ensdorf.de, Mittelbayerische Zeitung

„Tu dir was Gutes – lass los!“ war ein Vortrag von Heilpraktikerin Helga Kuttner beim Katholischen Frauenbund betitelt. „Leben ist Bewegung und ständigen Veränderungen unterworfen. Vieles gelingt uns sehr gut, doch gibt es immer wieder Stationen, wo unser Lebensrad knirscht“, erklärte sie.

Die Referentin zeigte die einzelnen großen Lebensabschnitte wie Kindheit, Erwachsener,  und älterer Erwachsener auf, die vergleichbar sind mit sammeln, festhalten, loslassen. Daneben unterscheide man die Lebensbereiche: materiell (Geld, Besitz), emotional/mental (Einstellungen, Vorstellungen, Bedürfnisse, Wertungen usw.) und sozial (Beziehungen, Ansehen, Leistungen, Beruf, Stellung usw.).

Festhalten habe mit unserem Ego zu tun, so Kuttner, und sei eine Abhängigkeit. „Indem wir festhalten, suchen wir Halt. Abhängigkeit ist ein gefühlsmäßiger Zustand des sich Anklammerns, der aus der Überzeugung entsteht, dass man ohne einen bestimmten Menschen, Sache, Situation, Ansehen und so fort nicht glücklich sein kann.“ Frau Kuttner brachte Beispiele und machte mit den Teilnehmern Übungen, wie sich Festhalten auswirken kann. Sie beleuchtete auch die Wirkmechanismen, die hinter Festhalten stecken und es uns so schwer fällt, loszulassen. „Es hängt mit unserem biologisch verankerten Grundbedürfnis nach Sicherheit zusammen, also mit unserem Bindungssystem, mit unseren Urängsten und mit unserem Gehirn, das uns belohnt, wenn wir gewohnte Alltagshandlungen ausführen, doch bei einschneidenden Veränderungen desselben Botenstoffes ausschüttet wie bei körperlichem Schmerz.“ Sie erläuterte Symptome und folgen, wenn wir nicht loslassen.

Im zweiten Teil des Vortrags erläuterte die Referentin die einzelnen Phasen des Loslasssens. „Wenn wir loslassen, entscheiden wir uns, unseren Blick weg von der uns belastenden Situation nach vorne zu richten. Loslassen ist zwar eine reine Kopfsache und eine willentliche Entscheidung, jedoch keine ad hoc Entscheidung, sondern ein Prozess, der die sechs Phasen nicht wahr haben wollen; erkennen, was uns blockiert; noch einmal alle Gefühle, die damit zusammenhängen ansehen und bewusst machen; umsichtige Bilanz ziehen, akzeptieren, dass es so ist, wertschätzen, was war, das auch verzeihen heißen kann; mich entscheiden, dass ich loslassen will mit dem Satz: ‚Ich bin bereit loszulassen.’ Und: mich lösen heißt, sich innerlich distanzieren, neu orientieren.“

Heilpraktikerin für Psychotherapie Helga Kuttner erläuterte die einzelnen Phasen und zeigte Hilfen auf, wie körperliches Abreagieren, Malen, Aufschreiben, Rituale, die uns in diesem Prozess unterstützen. Fazit der Referentin: „Je mehr wir lernen zu vertrauen, desto leichter gelingt es uns auch, loszulassen, denn loslassen macht unabhängig, schenk außerdem Gelassenheit, Sicherheit und inneren Frieden.“

Bilder

Gertraud Kuhn, Mitarbeiterin der Kommission Sozial-caritativ, und Referentin, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Helga Kuttner.