Bunter Pfarrfamiliennachmittag

| Hans Babl | Mittelbayerische Zeitung

Beim bunten Pfarrfamiliennachmittag füllten viele Besucher den Theatersaal des Klosters bis auf den letzten Platz. Michael Dollacker, Sprecher des Pfarrgemeinderates, führte humorvoll durch das Programm des kurzweiligen Nachmittags. Pfarrer Pater Hermann Sturm begrüßte besonders Klosterdirektor Pater Christian Liebenstein und Kaplan Pater Josef Wenzl.

Die Blaskapelle Ensdorf unter Leitung von Hubert Haller eröffnete mit schmissiger Blasmusik den bunten Reigen. Die Wolfsbacher Ministranten zeigten bei „Ein Bayerischer Wochentag“ Kinder in der Schule, daheim bei Mutti und die Väter am „Arbeitsplatz“ Stammtisch. „Der übliche Jahresrückblick“ war Thema des Pfarrgemeinderates. Mit „So geht’s bei uns zua“, gaben Johann Frind, Marianne Beer und Josef List, Einblick und Ausblick. Anhand der Zeitungschronik des Pfarrers blickten sie zurück – nicht nur auf das vergangene Jahr mit dem Abschluss der Sanierung des Stephansturms, das 40-jährige Jubiläum von Gerhard Tschaffon als Organist und Chorleiter, Abschied der Patres Georg Matt und Hans Kastl und den vier „neuen“ Patres, Klosterdirektor Christian Liebenstein, Kaplan Josef Wenzl, sowie Alfred Lindner und Harald Neuberger, dem Tod von Pater Andreas Dietz, den „Teerstreifen“ auf dem Weg zur Kirche sowie die Urnenstelen im Friedhof. Die Singgemeinschaft Männergesangverein Ensdorf/Sängerbund 1880 Amberg unter Leitung von Gerhard Tschaffon entließ mit Shanty, Gospelsong und dem alten deutschen Schlager „Marmor, Stein und Eisen bricht“ die Besucher in die Pause, wo sie sich mit Imbiss und Getränken stärken konnten.    

„Wir haben eine multikulturelle, pluralistische und wertoffene Gesellschaft in allen Schattierungen mit Auswirkung auch auf die Kirche“, stellte Pfarrer Pater Hermann Sturm fest. Man stelle einen Trend zur „Entkirchlichung“ fest. Die formelle oder innere Abwendung von der Kirche habe keine kleinen Ausmaße mehr. Dazu hätten die Missbrauchsfälle noch das ihre getan und Vertrauen zerstört. Derzeit habe die Kirche in der Gesellschaft kein gutes Image. Gar Kirchenfeindlichkeit sei festzustellen. „Kirche ist oft nicht mehr gefragt. Wir haben die Zunahme einer Art ‚freischwebenden’ Religiosität, in Folge des Pluralismus ein ‚Auswahlchristentum’. Die Amtskirche ist nur mehr für gewisse Dienstleistungen gefragt: Taufe, Hochzeit und Beerdigung. Christentum und Kirche sind nicht mehr das unbestrittene Fundament der Gesellschaft. Wir befinden uns in einer Übergangszeit von einer Volkskirche zu einer Entscheidungskirche“, betonte der Geistliche. „Die Familie müsste wieder Keimzelle des Glaubens, eine ‚Hauskirche’ werden mit Eltern als erste Glaubensboten. Nur durch eine lebendige Christusbeziehung kann eine lebendige Gemeinde erwachsen.“

Auf die Pfarrei Ensdorf bezogen erklärte Pfarrer Pater Sturm: „Auch wir erleben ein Schwinden des religiösen Lebens in unserer Pfarrei.“ Er ging auf schwindenden Kirchenbesuch ein, dass Kinder oft nach Erstkommunion und Firmung nicht mehr die Gottesdienste besuchen. „Was konnte ich in fast zwölf Jahren hier erreichen als ‚missionierender Schwabe in der Oberpfalz’ erreichen?“ fragte er. „Werden wir eine Senioren-Pfarrei?“

Durch Mitgestalten in verschiedenen Bereichen versucht der Pfarrgemeinderat die Gemeinde mit Leben zu füllen, zu gestalten, Gemeindebewusstsein zu wecken und Verbindung untereinander zu fördern. Pfarrer Sturm nannte als Beispiele Tauferneuerung, Ehejubiläum, Stehempfänge, Vorträge, Festgestaltung, Seniorenarbeit, Fastenessen, Kirchgängerfrühstück, Seniorengymnastik. Er lobte auch Kindergottesdienstkreis, Elternmitarbeit bei Erstkommunion- und Firmvorbereitung, Kirchenchor, Pfarr- und Gemeindebücherei, DJK, Pfadfinder und Frauenbund für ihre Arbeit und dankte allen freiwilligen und ehrenamtlichen

Mitarbeitern herzlich und rief auf: „Miteinander glauben, miteinander helfen, miteinander feiern, miteinander Zeugnis geben!“

Drei Akkordeonspieler der Musikgruppe von Georg Bayerl spielten flott Bairische auf. Die Pfadfinder amüsierten mit „Küss sie doch!“, die DJK –Kinder zeigten Free-Style-Dance. Die Ensdorfer Ministranten hatten mit ihrem Sketch „Im Theater“ die Lacher auf ihrer Seite. 

Der Katholische Frauenbund brachte zum Schluss mit dem Zweiakter „Der unbehandelte Heilige“ den Höhepunkt des Nachmittags auf die Bühne. Als dann  gar „Jungfrauen“ zum heiligen „Chrispinius“ mit der Bitte um einen Mann wallfahrteten, lachte der ganze Saal.

Das gemeinsam gesungene Lied „Kein schöner Land“ beendete den gelungenen bunten und informativen Nachmittag der Pfarrfamilie.