Treffpunkt Grün

| Hans Babl | Mittelbayerische Zeitung

Gestern wurde mit zahlreichen Vertretern aus Kirche, Politik und Wirtschaft der 15. Zweckbetrieb im Werkhofverbund, nämlich „Treffpunkt Grün – Salat- und Gemüsemanufaktur Ensdorf“ auf dem Gelände der ehemaligen Klostergärtnerei mit einer ökumenischen Feier eingeweiht. Die musikalische Umrahmung hatte die „Ensdorfer Klosterband“ mit Georg Bayerl, Cyrus Saleki und Jürgen Zach übernommen.

  „‚Treffpunkt Grün’ startete im Frühjahr 2010 mit kräftiger Unterstützung des Klosters Ensdorf und ist ein Projekt zur Integration von jungen arbeitslosen und sozial benachteiligten Männern und Frauen in Arbeit und Ausbildung. Es wird vom Arbeitsmarktfonds Bayern in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft für Beschäftigung und Integration für den Landkreis Amberg-Sulzbach und der Stadt Amberg sowie der Agentur für Arbeit Amberg vom Werkhof Amberg-Sulzbach, einer Einrichtung der evangelischen Diakonie, umgesetzt“, erklärte Reinhard Lautenschlager, Geschäftsführer des Werkhof Amberg-Sulzbach.

„In den 15 Zweckbetrieben des Werkhofverbundes - von handwerklichen Betrieben bis hin zu Gebrauchtwarenhäusern und Transportabteilungen – kann der Werkhof knapp 200 Mitarbeitern einen Arbeitsplatz anbieten und führt mit rund 300 Maßnahmenteilnehmern in diesen Betrieben Fort- und Weiterbildung sowie Arbeitserprobungen in Regensburg, Rettenbach, Schwandorf, Sulzbach, Amberg, Neutraubling und jetzt auch in Ensdorf durch“, berichtete Hans Seidl, Geschäftsführer des Werkhofverbundes. In Ensdorf  sehe man schon nach dem harten Winter wieder viel Grün in saftigen Farben, eine Fülle von Gemüse und Salaten, die hier gut gedeihen und auch gut schmecken. Bei einem etwas geschärften zweiten Blick sehe man die jungen Menschen, die hier gemeinsam arbeiten und bisher keine berufliche Erfahrung schöpfen konnten, nun aber unter Anleitung und Betreuung bei der „Salat- und Gemüsemanufaktur“ tätig sind. „Mit dem Ertrag aus dem Verkauf finanziert der Werkhof seine Integrationsleistungen mit und sorgt dafür, dass Arbeitsplätze geschaffen werden“, so Seidl weiter. Er lobte die „wunderbare Einbettung der Gärtnerei in das ebenso sehr schöne Klostergebäude und Gelände“ und die Kooperation mit dem Salesianerkloster. „Das Kloster stellt seinen Besitz dem Zweckbetrieb zur Verfügung, nimmt vom Betrieb auch große Teile der Erzeugnisse ab und lässt uns teilnehmen an einem Konzept, das auch von der Zukunftsagentur Plus erarbeitet und bereits in Teilen umgesetzt ist. Wir arbeiten miteinander, lernen voneinander, genießen unsere Produkte und planen unsere Zukunft möglichst nachhaltig.“

Die kirchliche Segnung nahmen Klosterdirektor Pater Georg Matt und der evangelische Dekan Karlhermann Schötz vor. Letzterer sprach von drei Gewinnern des Projektes. Zum einen den jungen Menschen, dann der Schöpfung und schließlich der Ökumene. „Es ist nicht selbstverständlich dass ein evangelischer Pfarrer auf katholischen Klostergrund eine Einweihung vornimmt.“ „Durch das Projekt werden junge Menschen aufgefangen von den Händen der Schöpfung, deren Teil sie sind, und ausgebildet“, hob Pater Matt hervor.

Landrat Richard Reisinger erinnerte daran, dass der Kreistag einstimmig beschlossen hat, sich finanziell an dem Projekt zu beteiligen. „Das Geld ist gut angelegt“, betonte er. „Die jungen Menschen sehen, dass Gesellschaft, Staat und Kirche sie nicht fallen lassen.“ Er wünschte „dem neuen Zentrum in Ensdorf“ viel Erfolg.

„Wenn man einen Willen nicht mit Gewalt durchsetzen will, sondern mit Zusammenarbeit, Vorbild und Solidarität, dann sind wir beim ‚Treffpunkt Grün’ in der ehemaligen Klostergärtnerei. Jungen arbeitslosen Männern und Frauen Arbeit und Ausbildung anzubieten und damit eine Chance für ihr zukünftiges Leben zu geben, gleichzeitig eine aufgegebene Gärtnerei wieder mit Leben zu füllen, vereinigt mit dem Angebot frische Lebensmittel zum Kauf anzubieten und damit ein verlorenes Bindeglied in der örtlichen Lebensmittelversorgung zu werden, ist eine brillante Leistung“, lobte Bürgermeister Markus Dollacker. „Auch die Leitlinien der evangelischen Werkhofidee mit allen christlichen Werten werden hier voll umgesetzt.“

Zu dem Namen „Salat- und Gemüsemanufaktur“, den man sich schnell schützen lassen sollte, gratulierte Joachim Osmann, Direktor der Arbeitsagentur Schwandorf. Die traditionsreiche Klostergärtnerei sei aus dem Winterschlaf erweckt und wieder in eine blühende Landschaft verwandelt worden. „Der katholische Klostergarten wird durch evangelische Hilfe begrünt!“

Sonja Schleicher von der ARGE Amberg erinnerte daran, dass Klosterverwalter Jürgen Zach vom „Ensdorfer Kloster im grünen Bereich“ die Idee zur Wiederbelebung der Klostergärtnerei hatte, die dann der Werkhof kreativ umgesetzt habe zu einem „phantastischen Projekt mit gutem Erfolg“. Sie wünschte, dass alle Beteiligten auf dem eingeschlagenen Weg weitergehen für „Hilfe all denen, die der Hilfe bedürfen“.

Nach einer Führung schloss sich ein Imbiss und Nachmittag ein Tag der Offenen Tür für die Bevölkerung an.

 

Beim „Treffpunkt Grün“ arbeiten zurzeit acht junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren unter der Projektleitung und Betreuung von Rose Heuberger und Xaver Penzkofer. In fünf Gewächshäusern und einer Freilandfläche mit insgesamt 2500 Quadratmetern ziehen sie ganzjährig Salate und Gemüse zum Verkauf. Auch Pflanzen werden angeboten. Verkaufszeiten: Montag bis Donnerstag von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr, freitags nur von 10 bis 12 Uhr. Derzeitiges Angebot der „Salat- und Gemüsemanufaktur“: Gurken, Kohlrabi, Kopfsalat, Lauch, Lolla Bionda und Lolla Rossa, Radieschen, Weißkohl, Wirsing und Zucchini sowie Topfkräuter. In etwa einer Woche auch frische Tomaten.

Darüber hinaus plant der Werkhof eventuell einen Regionalladen in Ensdorf.

Kleinkooperationen für Praktikumsstellen bestehen mit Don-Bosco-Druckerei, Autohaus Dollacker, Schreinerei Fischer, Blumen Hecke, Klosterküche und Klosterhauswirtschaft, Baumpflege Stolz und Kunst & Design Siegfried Stolz sowie dem Naturlandhof Wein.