Umwelt-Senioren-Initiative

  |  Hans Babl |   Ensdorf.de, Mittelbayerische Zeitung

Unsere Gesellschaft kann es sich nicht leisten, auf die besonderen Kompetenzen zu verzichten, über die ältere Menschengerade im Umweltbereich verfügen. Diese Erkenntnis bewegte den Agenda Beirat des Landkreises zu einer „Umwelt-Senioren-Initiative“ aufzurufen.

Die Idee entstand  aus dem Landkreis-Leitbild, das die Handlungsfelder „Bildung und Kultur“, „Gesundheit und soziale Infrastruktur (Demografischer Wandel)“ und „Natur und Umwelt“ betrifft. Senioren wurden gewonnen als „Umwelt-Trainer“ in Schulen und Kindergärten zu wirken, „eine sinnvolle Aufgabe für ältere Menschen im Ruhestand, die oft einen besseren Zugang zu Kindern und Jugendlichen finden als Eltern und Lehrer“, so der konzeptionelle Leiter Manfred Klemm. Das Projekt „SENaT“ war geboren.  

Nun werden die acht Teilnehmer von Mai bis Oktober in einem 60-stündigen Lehrgang ausgebildet, der mit dem Erwerb eines Zertifikates berechtigt, mit speziellen Umweltprojekten  Kinder und Jugendliche in Schulen und Kindergärten zu unterrichten. Bisher fanden eine Hospitation Umweltbildung sowie Alltagsunterricht an der Grundschule Ebermannsdorf statt. An einem weiteren Tag demonstrierte Hans-Jürgen Frey mit den Lehrgangsteilnehmern: „Strom von der Sonne“, eine Unterrichtssequenz mit praktischen Übungen. Außerdem wurde im Beruflichen Schulzentrum Amberg hospitiert.

Diese Woche begrüßte Rektor Siegfried Seeliger die SENaToren an der Hauptschule Ensdorf. und stellte seine Schule als „kleine feine Landschule mit mehr Vor- als Nachteilen v. a. in menschlicher Hinsicht und ohne Sorgen wegen Auflösung im künftigen Schulverbund“, vor. Zwei Schwerpunkte nannte Seeliger: vertiefte Berufsorientierung mit Vorbereitung der Schüler auf den Berufseinstieg und Umweltbildung in verstärkter Zusammenarbeit mit der Umweltstation Ensdorf und dem Zentrum für erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit (ZEN). Schüler und Lehrer nutzen gemeinsam das Internet. Folgende Arbeitsgemeinschaften bestehen: Maschinenschreiben, Umwelt, Erste Hilfe, ECDL, Technik, Praxis, Leichtathletik. Der Computer-Führerschein kann an der Hauptschule Ensdorf erworben werden. Eine Elektro-Tankstelle wird gebaut. Tutoren helfen Schülern bei den Hausaufgaben gegen ein geringes Entgelt. Ganztags werden zurzeit etwa 20 bis 25 Schüler betreut. Rektor Seeliger stellte die Verbundenheit mit der Gemeinde Ensdorf heraus, die sich u a. durch die Anschaffung von Elektro-Bikes zeigt.

Dann hospitierten die Teilnehmer in kleinen Gruppen und sammelten dabei Eindrücke vom Unterrichtsgeschehen in Informatik der 8. Klasse, Geschichte der 5. und Geometrie der 6. Klasse sowie das Einüben einer Trommeleinlage mit selbst gefertigten Cajones für das Ensdorfer Gemeindefest.

Altersgemäße Zugänge zum Thema Energie in der Hauptschule mit praktischen Unterrichtsbeispielen stellte Ekkehard Brühschwein in der Sequenz „der ökologische Rucksack“ vor. Dabei vermittelte er der Arbeitsgemeinschaft Umwelt der Hauptschule Ensdorf diese Thematik in geraffter Form. Themen waren zusätzlich „Sinnloser Stromverbrauch“, der „Energiekuchen eines Haushaltes“ und „Warum wir in der Zukunft Elektro-Fahrzeuge brauchen“.

Am Freitag dann hatten die SENaToren einen „Praxistag“ bei der Umweltstation Kloster Ensdorf: Mit Keschern, Becherlupen und Bestimmungsbüchern ausgerüstet ging es unter Anleitung von Gernhard Wechner, Referent im Bildungshaus der Salesianer und der Umweltstation Kloster Ensdorf, unter dem Motto „Teich und Bach“ zu deren Feuchtbiotopen auf „Tümpelsafari“. Dort forschten sie nach kleinen Lebewesen im Wasser, die laut Wechner „für viele Erwachsene und Kinder eine völlig fremde Welt“ bedeuten. Dort lernten die künftigen SENaToren auch, wie man Kinder und Jugendliche zum „Entdecken und Staunen über die Vielfalt der Lebewesen im Wasser“ bringen kann.

Manfred Klemm, konzeptioneller Leiter des Projekte SENaTor: „Auf dem weiteren Ausbildungsprogramm steht demnächst: „Lernen lernen“ mit Prof. Uli Iberer, der auch verschiedene Lerntypen vorstellen und aufzeigen wird, wie man sich ein eigenes Projekt erstellt. Dann geht es im Sulzbacher Raum mit einer Schulklasse auf Waldexkursion. Waldpädagoge Förster Werner Lang wird ihnen am Mariahilfberg in Amberg einiges aus Praxis und Theorie vermitteln. Im Oktober schließlich steht die Entwicklung des jeweils eigenen Umweltprojektes und nach Prüfung die Verleihung der Zertifikate an.

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