Erfolgsgeschichte Juradistl-Lamm

  |  Hans Babl |   Ensdorf.de, Mittelbayerische Zeitung

Mal wieder Lust auf einen wunderbar duftenden Lammbraten zum Osterfest? Wenn ja, dann ist der Weg nicht weit. Es muss nicht Lamm aus Neuseeland sein, denn die alte traditionelle Hüteschafhaltung findet auch direkt vor der Haustüre in Amberg oder dem Vilstal bei Ensdorf statt. Dort sind nämlich die Juradistl-Schäfer zu Hause. Wenn Michael Inzelsperger aus Amberg Lengenloh und Konrad Lautenschlager aus Ensdorf mit ihrer Herde auf die Weiden ziehen, ist der Winter vorbei und Ostern steht vor der Tür.

Der Beruf des Schäfers fordert höchsten Einsatz, auch wenn ihm seine fleißigen Hütehunde  zur Seite stehen. Während der Aufwand, die relativ kleinen und oft verstreut liegenden Juraflächen zu beweiden, ziemlich hoch ist, kann auf den riesigen Flächen in Neuseeland sehr kostengünstig erzeugt werden. Neuseelandlamm wird in der Regel billig angeboten, ist jedoch ein Massenprodukt und hat den Transport einmal halb um den Globus hinter sich. Juradistl-Lamm ist dagegen eine regionale Naturschutzspezialität, kommt frisch vom heimischen Schäfer, ist eine ausgesuchte Spitzenqualität und schmeckt deshalb ganz besonders gut. Es muss aber etwas teurer angeboten werden.

Naturschutz braucht Schafbeweidung

Aufgrund der schwierigen Marktbedingungen, haben viele Schäfer in den vergangenen Jahren ihre Betriebe aufgegeben und das ist nun wiederum ein Problem für den Naturschutz. Denn die alte traditionelle Beweidung der artenreichen Trockenhänge im Oberpfälzer Jura hat viele Biotope geprägt und biologische Vielfalt geschaffen. Fällt die traditionelle Nutzung weg, sind auch die Tiere und Pflanzen gefährdet, denn Landschaft, biologische Vielfalt und Bewirtschaftung stehen in einem engen Zusammenhang. Aus diesem Grunde arbeiten Naturschützer und Schäfer schon seit Langem Hand in Hand.

Landschaftspflegeverbände schaffen Naturschutzmarke

Es sind die Landschaftspflegeverbände Amberg-Sulzbach, Neumarkt i.d.OPf., Regensburg und Schwandorf, die im Jahr 2004 die Naturschutzmarke Juradistl aus der Taufe gehoben haben. Die Marke Juradistl steht für naturschutzgerechte Erzeugung von Lammfleisch durch heimische Hüteschäfer, eingebunden in den Aufbau eines Biotopverbundsystems über die gesamte mittlere Oberpfalz hinweg.

Die Voraussetzung ist allerdings, dass sich sowohl die Schäfer, als auch die Schlachtbetriebe, die Metzgereien und die Gastronomen an strenge Kriterien halten und diese auch kontrolliert werden. So müssen die Schäfer eine stark naturschutzorientierte Wirtschaftsweise nachweisen können, während die Metzger und Wirte nur Juradistl-Lämmer beziehen dürfen. Alle Marktpartner haben sich vertraglich gebunden und die Kontrolle erfolgt durch die neutrale „Gesellschaft für Qualitätssicherung in der Agrar und Lebensmittelwirtschaft“ (QAL). Natürlich ist auch der Einsatz gentechnisch veränderter Substanzen verboten.

Juradistl-Lamm – ein Teil der Bayerischen Biodiversitätsstrategie

Das Jahr 2010 wurde von den Vereinten Nationen zum Jahr der Biodiversität erklärt. Dabei meint der Begriff „Biodiversität“ nichts anders, als biologische Vielfalt, beziehungsweise den Reichtum an Tier- und Pflanzenarten in den jeweiligen Lebensräumen. Derzeit sterben geschätzt jeden Tag 130 Arten aus. Das ist ein unwiederbringlicher Verlust genetischer Vielfalt, der sich auch ganz handfest in ökonomischen Dimensionen ausdrücken lässt. Laut einer Studie von Experten liegt die umgerechnete monetäre Leistung der irdischen Ökosysteme bei ca. 30 Billionen Euro im Jahr. Das Projekt „Juradistl – biologische Vielfalt im Oberpfälzer Jura“ leistet hier einen wichtigen Beitrag. Deshalb wird das Projekt von der Regierung der Oberpfalz und dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit unterstützt und gefördert.

Juradistl-Lamm ist eine Erfolgsgeschichte

Über das Projekt Juradistl kann derzeit die  Beweidung von ca. 600 ha Magerrasen sichergestellt werden. Über ein System von 17 Schäfereien, fünf Schlacht- und Zerlegebetrieben, 36  Gastwirten und 22 Metzgereien aus der Region konnten seit dem Jahr 2004 weit über 6.000 Lämmer vermarktet werden.

Das hilft nicht nur den Schäfern, sondern auch der regionalen Wirtschaftsstruktur, weil die Wertschöpfung in der Region bleibt und nicht in die anonyme Konzernstruktur des Lebensmitteleinzelhandels abfließt. Und es hilft vor allem den Verbrauchern. Denn sie  bekommen ein umweltschonend erzeugtes Spitzenprodukt mit Herkunftsgarantie und erstklassiger Geschmacksqualität. Denn wenn Michael Inzelsperger und Dr. Konrad Lautenschlager ihre Schafe über die Hänge und Täler des Oberpfälzer Jura treiben und deren Tisch mit Kräutern und Gräsern naturnaher Flächen gedeckt ist, kann man das nachher auch am Braten schmecken. Überzeugen Sie sich selbst! Ostern steht vor der Tür und unsere Partnerbetriebe bieten im März und April wieder schmackhaftes Fleisch vom Juradistl-Lamm. Das schmeckt nicht nur, sondern ist gleichzeitig auch ein Stück Heimatpflege.

Juradistl-Lämmer gibt es bei Vertragsschäfern mit Schlachteinrichtung: Dr. Konrad Lautenschlager, Hauptstraße 24, 92266 Ensdorf, Tel. (0 96 24) 27 50 oder Michael Inzelsperger, Am Espan 11, 92224 Amberg-Lengenloh, Tel. (0 96 21) 14 356, Mobil: 01 73 / 56 54 796.

Juradistl-Lammfleisch gibt es bei Metzgereien: Metzgerei Hottner in Amberg am Marktplatz und bei der Metzgerei Lotter in der Rosenberger Straße in Sulzbach-Rosenberg.

Folgende Gastronomiebetriebe bieten Gerichte vom Juradistl-Lamm an: Cafe Feinkost Restaurant Kilian Schön, Cafe Zentral und Hotel-Restaurant Drahthammer-schlössl in Amberg, Gasthaus Bärenwirt in Rieden, Brauereigasthof Sperber-Bräu in Sulzbach-Rosenberg, Landgasthof Peterhof in Etzelwang, Gasthof Schlossbräu Lintach in Lintach, Land-hotel Weißes Roß in Illschwang und Land-gut-Hotel Forsthof in Kastl.

Bilder